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Ein Hilfeschrei...

Was wäre wenn....

Immer und immer wieder werden Eltern von Kindern mit FASD angegriffen, weil ihr Kind 'nicht richtig funktioniert'. Es wird nicht gesehen, dass das veränderte Verhalten des Kindes seinen Ursprung in hirnorganischen und -chemischen Veränderungen hat, denn es sieht ja gesund aus.

Was wäre, wenn ich einen anderen Hintergrund gewählt hätte, dann würden Sie den Text sicher besser wahrnehmen können und hätten nicht solche Mühe, ihn zu entziffern?


Wenn Sie sich mehr anstrengen würden, könnten Sie diese schwarze Schrift sicher auch besser und schneller entziffern - oder?

Ähnlich geht es mitunter unseren Kindern, denn ihre Wahrnehmung ist gestört und die Verarbeitung der aufgenommenen Informationen dauert länger.

Was wäre wenn: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen:

  • bei äußerst grellem und ständig blitzendem Licht,

  • mit dröhnender Musik in den Kopfhörern,

  • mit stacheliger Kleidung,

  • auf einem wackeligen Wasserbett ;

  • den Kopf voller Dinge, die sie nicht sortieren und verstehen können, da alles in Französisch und sehr sehr schnell gesprochen wird

  • und sie müssten nun  8x12 minus  4x7 rechnen?

Ich denke, Sie bräuchten mehrere Anläufe, um die Ihnen gestellten Aufgaben zu lösen. Stellen Sie sich außerdem eine DELETE - Taste in ihrem Kopf vor, welches die Erfahrungen dieses Tages löschen würde, wie sähe dann der zweite Durchgang dieser Aufgabe aus?

Eltern von Kindern mit FASD müssen immer wieder hören, dass ihr Kind in der Schule zu zappelig ist, dass es sich nur besser konzentrieren müsse und dass es durchaus könne, wenn es nur wollen würde.

Was wäre, wenn das gleiche Kind ein Kind mit dem Down-Syndrom wäre?

Jeder Mensch wüsste auf Anhieb, dass dieses Kind ein besonderes Kind mit besonderen Anforderungen und besonderen Behinderungen wäre

 Eltern von Kindern mit FASD müssen sich immer wieder verteidigen, weil sie ihre Kinder mit FASD mehr behüten als andere, sie scheinen den Kindern ja keine Freiheit zu gönnen und wie es aussieht sind sie übervorsichtig.

Was wäre, wenn das gleiche Kind ein blindes Kind wäre?

Jeder Mensch wüsste auf Anhieb, dass ein blindes Kind etwas mehr Aufsicht benötigt, da es Gefahren oft noch nicht richtig einschätzen kann. Mit der Zeit kann es aber lernen, aus seinen Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen und kann durch eine spezielle Schulung eigenständig seine Welt draußen erobern, nicht so Kinder mit FASD, sie ziehen eben nicht die richtigen Schlüsse und gehen immer wieder Gefahren und Risiken ein.

Was wäre, wenn man einem Parkinson-Patienten sagen würde, er solle sich besser konzentrieren, würde er dann  auch aufhören können zu zittern?

Was wäre, wenn man einem Menschen während eines epileptischen Anfalls sagen würde, er solle sich besser konzentrieren, damit er seine Glieder kontrollieren könne - ich denke, Sie glauben nicht wirklich, dass dies funktionieren würde.

Was wäre, wenn man einem Menschen mit fortgeschrittener Alzheimer-Demenz sagen würde, er solle sich nur besser konzentrieren, dann würde er sich wieder an seine Kinder, seine Frau, an sich selber erinnern, wo doch Gehirnzellen seine zerstört sind und dies eben nicht mehr möglich ist. Niemand setzt diese Fähigkeiten bei Menschen dieser Erkrankungen voraus - warum also bei FASD?

Jeder weiß, dass Down-Syndrom, Parkinson, Epilepsie, Alzheimer mit verändertem Verhalten, veränderten Körperreaktionen, verändertem Gedächtnis zusammenhängt. Warum ist es so unendlich schwer, dies bei Kindern mit FASD, welche während der empfindlichsten Phase eines Menschen von Alkohol durchdrungen waren und denen unwiederbringlich Tausende, Zehntausende, Hunderttausende von Gehirnzellen zerstört wurden.

Eltern von Kindern mit FASD haben nicht nur mit dem veränderten und wirklich nervenaufreibenden Verhalten ihrer Kinder zu kämpfen, sie ernten Unverständnis in der Familie, Unverständnis in der Schule, Unverständnis im Bekanntenkreis, Unverständnis bei Therapeuten, Unverständnis bei Ärzten.

Das alles ist eine bittere Ernte für Eltern, die genau erkennen, dass ihr Kind anders ist als andere und um Hilfe bitten und die ausgestreckte Hand wird geschlagen.

Was wäre, wenn Familienangehörige die Diagnose ernst nehmen würden und sie würden den Eltern Glauben schenken?

Was wäre, wenn Erzieher und Lehrer sich mit dieser Diagnose auseinandersetzen würden und zu verstehen versuchen, was diese Diagnose für das Kind bedeutet - wenn SIE lernfähig wären?

Was wäre, wenn es Therapeuten gäbe, welche entweder Kenntnis von FASD haben, oder sich aufgrund der Diagnosestellung weiterbilden und die Therapie entsprechend umstellen?

Was wäre, wenn es mehr Ärzte gäbe, die FASD diagnostizieren würden?

Was wäre, wenn der Staat in offensiver Weise die Öffentlichkeit informieren würde, dass Alkohol in der Schwangerschaft kein Kavaliersdelikt ist sondern einen Schaden fürs Leben bedeutet?

Eltern und Kind bekämen die Hilfe, die sie brauchen!

Eltern und Kind könnten herausfinden, was im Leben mit FASD alles möglich ist!

Eltern und Kind könnten auch mal wieder einfach nur das sein, was sie sind nämlich

 Eltern mit Kind !

 

 

Siehe auch: Was geht in uns Eltern vor?


Zitat: "Während die meisten
Säuglinge die Welt
um sich herum in vollen Zügen in sich aufnehmen und neurale Vernetzungen im Gehirn aufgebaut werden, sind durch Alkohol und/oder Drogen geschädigte Säuglinge möglicherweise monatelang im Entzug – können kaum gefüttert werden,  schreien untröstlich und sehr schrill, sind Lichtempfindlich und sträuben sich dagegen, angefasst zu werden."

     FAS/FAE Mutter

 

 

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