FAS KINDER

Konsequenzen

Jemanden, der nicht über die möglichen Konsequenzen seines Handelns  nachdenkt, kann man auch nicht mit den üblichen Mitteln wie Fernsehverbot oder Stubenarrest bestrafen.

 FASKINDER              Alkohol in Schwangerschaft und die Folgen für das Kind!               FASKINDER

Grundlagen Folgen Hilfen Info Kinderseite Nur-Text
Diagnostik | Therapien | Alltag | Prävention | Engagierte Menschen

Zurück Nach oben Weiter

Home
Alltagsfragen
Gefühle der Eltern
Konsequenzen
Schlaf
Tipps
Vorlesen
Hilfeplan


 

Konsequenz im Alltag.

Wie gehen wir Eltern damit um...

...wenn unsere Kinder nicht mehr lenkbar sind?

...sich nicht mehr steuern lassen?

...eine Gefahr für sich und andere sind?

...wo liegen unsere Grenzen?

... können wir sie auch setzen?

 

Besonders zu schaffen, machte uns sein aggressives Verhalten!

 

Brief eines Pflegevaters!

Ich habe in den letzten Wochen zu dieser Frage so einige Beiträge gelesen. Jetzt habe ich mir Mühe gegeben und versucht, unsere Familiensituation und unseren Umgang mit Jan zu formulieren. Vielleicht stoße ich bei so einigen auf Ablehnung, trotzdem stelle ich nachfolgenden Beitrag zur Diskussion:

Jedem hier dürften die Marotten unserer FAS-Kinder aus eigener Anschauung bekannt sein. Auch unser Jan bot das volle Programm. Im Frühsommer letzten Jahres ging gar nichts mehr. Jan war elfeinhalb Jahre alt. Mit sieben Monaten kam er zu uns in die Familie. Der Verdacht auf Alkoholembryopathie bestand von Anfang an.

Trotz langjähriger therapeutischer Begleitung und viel Arrangement unserer Familie wurde sein Verhalten immer kritischer.

Besonders zu schaffen, machte uns sein aggressives Verhalten. Mit der befürchteten Pubertät  zeigte er Verhaltensmuster, die für mich nicht mehr tolerierbar waren. Nicht, dass ich damit Probleme hätte wenn Kinder sich mal körperlich auseinandersetzen aber Jan fing an, andere Kinder zu misshandeln.

Top

 

Hier war für mich Schluss!

Fast täglich kamen Meldungen aus der Schule oder aus der Nachbarschaft. Zudem hatte Jan sich über die Schule einen Freundeskreis von Gleichgesinnten gesucht. Das Ganze eskalierte. Selbst die Existenz unserer Familie wurde in Frage gestellt.
Hier war für mich Schluss.

In einer Art Familienkonferenz (ohne Jan) entschlossen wir uns für eine Trennung von dem Jungen. Die damit verbundenen möglichen Folgen waren uns durchaus bewusst. Wir wollten versuchen, das Optimum für das Kind  bei der zukünftigen Unterbringung heraus zu holen.

Also wurden die Sozialarbeiterin vom Jugendamt und Jans Lehrerin zu einem Gespräch eingeladen. Die Sozialarbeiterin erklärte sich bereit, bei entsprechenden Institutionen um Aufnahme nachzufragen. Allen war aber klar, dass das kurzfristig nicht möglich sein würde. Ich musste aber auch eine Möglichkeit des kurzfristigen Handelns finden. Die üblichen Sanktionen waren bei Jan nicht wirksam.

Jemanden, der nicht über die möglichen Konsequenzen seines Handelns  nachdenkt, kann man auch nicht mit den üblichen Mitteln wie Fernsehverbot oder Stubenarrest bestrafen. Doch immer dann, wenn ich auf Jans Verhalten sehr schnell und sehr intensiv reagiert habe, hatte der Junge sich einen „Merker" gesetzt.

In der Hoffnung auf solch einen Merker bestand ich auf die Möglichkeit, bei nochmaligem Vorfall den Jungen sofort außerhalb unterbringen zu können. Das Jugendamt musste mitspielen.

Bei uns gibt es die Inobhutnahme des Jugendamtes. Bei  Bedrohung oder Gefahr kann das Jugendamt oder auch die Polizei Kinder hier sofort unterbringen. Die Inobhutnahme ist eigentlich als Schutz für Kinder gedacht. In einer Art Sanktion sollte Jan dort sofort untergebracht werden können.

Top

 

Dass ich das eines Tages selbst einmal anwenden würde, hätte ich nie geglaubt!

Aus meiner Kindheit kenn ich noch den Spruch: "Wenn du nicht lieb bist, kommst du ins Heim." Dass ich das eines Tages selbst einmal anwenden würde, hätte ich nie geglaubt.

Jan spürte, dass die Luft für ihn dünner wurde. Ich nahm ihn zur Seite. Nicht, dass ich der Meinung wäre, dass der Klaps auf dem Po eine strafbare Handlung ist. Ich habe meine Kinder in diesem Sinne nie angefasst, kann aber mit meinem Stimmvolumen ganz gut umgehen:

  • "Wenn auch nur noch einmal etwas passiert,

  • wenn sich nur noch einmal jemand über dich beschwert,

  • wenn du nur noch einmal jemanden schlägst,

  • wenn noch einmal etwas aus Wut zu Bruch geht und

  • wenn nur noch ein einziges mal Jemand wegen dir weint, mein Freund,  egal ob du das jetzt verstehst oder auch nicht, dann bist du hier raus!!!"

Ich hätte auch sagen können:
"Du hast jetzt 2 Wochen Stubenarrest."
Seine Reaktion war nicht sonderlich. Wir hatten jedenfalls für 3 Wochen Ruhe.

 

Er hatte ein ebenfalls behindertes Mädchen durch die Turnhalle gekugelt!

 

Dann passierte, was passieren musste. Der Alarm kam aus der Schule. Jan hatte ein ebenfalls behindertes Mädchen durch die Turnhalle gekugelt. Ich war auf Arbeit und fuhr sofort zur Schule, packte Jan kommentarlos ins Auto.

Meine Frau hatte zwischenzeitlich die Inobhutnahme informiert und die notwendigsten Sachen gepackt. Innerhalb einer Stunde war der Junge untergebracht, war raus aus seinem familiären Umfeld.

Für 4 Tage war der Kontakt zu uns abgebrochen. Jan wurde weiterhin zur Schule gebracht. Am 5.Tag fuhr ich zu ihm hin. Das Ambiente war nicht schlecht. Schönes Einzelzimmer mit Fernseher, Playstation und einer netten und schönen 1:1 Betreuung. Das hätte ich wohl auch ausgehalten. Jan machte keinen gebrochenen Eindruck.

Top

 

Wenn du meinst, dass das hier besser ist, kannst du aber auch hier bleiben!

Wir gingen Spazieren. Ich ging auf volles Risiko:

„Überleg dir das jetzt gut. Wenn du mir versprichst, dass du in Zukunft keinen Blödsinn mehr machst, kannst du erstmal wieder mit nach Hause. Wenn du meinst, dass das hier besser ist, kannst du aber auch hier bleiben."

Wir hatten Jan fast 12 Jahre. In diesen Jahren hatten wir den Jungen noch nie mit Tränen Weinen gesehen. Fast schon so, als wenn ihm die Drüsen dafür fehlten.

Top

 

Alle Tränen, die ihm bisher fehlten, brachen sintflutartig heraus.

„Ich möchte gerne wieder nach Hause".

Jan bekam einen Weinkrampf. All die Tränen, die ihm bisher fehlten, brachen sintflutartig heraus. Ich hatte dieses böse Spiel gewonnen, hatte ihn dort, wo ich
ihn haben wollte.

Diese kleine Schocktherapie ist jetzt ein Jahr her. Im Gegensatz zu vorher haben wir ein „friedliches" und „ausgeglichenes Kind".

Es trat bei Jan eine derart positive Wandlung ein, wie wir sie nie erhofft hätten. Kritische Situationen hat es nicht mehr gegeben. Es gab seither keinerlei Beschwerden von Dritten. Wir können Jan unbeaufsichtigt nach draußen lassen, ohne negative Rückmeldungen zu befürchten.

Top

 

Er weinte:
"Ich möchte gern wieder nach Hause!"

Mama und Papa können auch mal alleine weg, bei Beaufsichtigung durch die älteren Geschwister gibt es keine Probleme. Es gab seither keinen „größeren" Sachschaden.

Genauso positive Rückmeldungen kamen aus der Schule. Jan funktioniert dort jetzt als „Zivildienstleistender" und wird zur Betreuung von jüngeren,  bzw. schwächeren Kindern herangezogen. Auch hier, keinerlei Übergriffe mehr.

Jans Lehrfähigkeit hat stark zugenommen. Er kann jetzt die Uhr im Viertelstunden-Rhythmus lesen, kann im Zahlenraum von 1 bis 20 rechnen, liest einfachste Texte und kann seinen Namen mit Adresse schreiben.

Top

 

All dies hatten wir vor einem Jahr noch für undenkbar gehalten.

All dies hatten wir vor einem Jahr noch für undenkbar gehalten. Von Leuten die uns beobachten, werden wir gefragt welches Medikament wir geben.

Nicht, dass unserer Junge problemlos ist, aber alles, was jetzt noch ansteht, liegt im grünen Bereich und lässt sich durchaus händeln.

Einen Kontakt zu seinem „Freundeskreis" haben wir unterbunden.

Möglichen Konfliktsituationen gehen wir konsequent aus dem Wege.

Top

 

Seine positive Wandlung lässt den Gedanken zu, dass er weiterhin bei uns in der Familie bleiben kann.

 

Da wir Jans verändertes Verhalten letzten Herbst noch nicht richtig  einschätzen konnten, hatten wir die Sache mit der ordentlichen Unterbringung in einer Wohngruppe oder ähnlichem weiter verfolgt. Nach vielen erfolglosen Vorstellungen haben wir eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden. Wir haben eine Zusage für Februar 2006.

Jans positive Wandlung lässt den Gedanken zu, dass er weiterhin bei uns in der Familie bleiben kann.
Schauen wir mal.

Peter - und Frau Schubert

 

Und was ist Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

info(at)faskinder.de

 

So sieht Jan (12) seine Familie.

==> Zum vergrößern auf das Bild klicken

Top

Zurück Nach oben Weiter


• Home • Grundlagen • Folgen • Hilfen • Info • Kinderseite • Nur-Text •

Diagnostik | Therapien | Alltag | Prävention | Engagierte Menschen

[Alltagsfragen] [Gefühle der Eltern] [Konsequenzen] [Schlaf] [Tipps] [Vorlesen] [Hilfeplan]


 

info(at)faskinder.de

Stand: 15.04.13

 Copyright 2005 by Reinhardt  www.faskinder.de