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Dr. Reinhold Feldmann

FAS bei Jugendlichen

Viele ältere Kinder und auch noch Jugendliche mit FAS/FAE spielen lieber mit deutlich jüngeren Kindern, da sie von Gleichaltrigen mehr und mehr abgelehnt werden und selbst auch der Überforderung durch den Kontakt mit Gleichaltrigen entgehen möchten.

Im Verlauf der Pubertät bemühen sich die Jugendlichen mit FAS/FAE dagegen wieder um altersgerechte Kontakte  und geraten hier vielfältig in Konflikte. Einige der betroffenen Jugendlichen ziehen daraus die Konsequenz, lieber zu Hause zu bleiben, denn „draußen habe ich doch nur Ärger“. Andere suchen die Nähe zu Gleichaltrigen, um Gefallen und Zuwendung zu finden, nehmen dabei oft unbeirrbar Rückschläge, Ablehnung und Spott in Kauf.

Häufig sind ihnen die eigenen körperlichen, persönlichen und geistigen Grenzen wenig bewusst. Im Denken und Handeln zeigt sich eine Naivität, die man als bleibende Infantilität bezeichnen kann.

Diese Jugendlichen sind erheblich gefährdet, da sie Fremden arglos begegnen und nicht fähig sind, fremde Absichten zu durchschauen. Auf ein freundliches Wort hin leisten sie gern Folge, ohne erfassen zu können, was mit ihnen geschieht und ohne zu bemerken, dass ihr Vertrauen ausgenutzt wird. Mädchen mit FAS/FAE, die fremder Zuwendung gutgläubig begegnen, nicht selten selbst in offensiv sexualisierter Weise Kontakt suchen, scheinen in besonderem Maß gefährdet zu sein. Leicht verführbar sind auch die Jungen, die sich Gleichaltrigen anschließen wollen.

Jugendliche mit FAS/FAE sind spontan nicht häufiger delinquent als ihre Altersgenossen, lassen sich aber weit leichter für kriminelle Zwecke einspannen. Oft reicht der Hinweis: „Wenn du mein Freund sein willst, dann...“ Die betroffenen Jugendlichen sind dann Mitläufer, nicht Initiatoren der Handlung (Diebstahl, Sachbeschädigung), stehen meist für die anderen „Schmiere“.

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Umgang mit Geld ist oft eine große Hürde.

 

 

 

 

 

 

Sie sind erheblich gefährdet, da sie Fremden arglos begegnen.

 

 

Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen

Auch der familiäre Alltag wird durch die bleibende Infantilität der Kinder und Jugendlichen mit FAS/FAE oft stark belastet. Alltägliche Handlungen werden nicht „selbstverständlich“. Die Kinder vergessen, was ihnen die Eltern auftragen oder stehen ratlos vor der Aufgabe. Manche Kinder sind sehr unordentlich, horten zugleich viele Sachen, oft auch Nahrungsmittel, die sie in ihren Verstecken vergessen.

Sie zeigen wenig Unrechtsbewusstsein und lügen oft mit viel Fantasie. Dabei bleiben sie auch dann bei ihrer Geschichte, wenn sie offensichtlich widerlegt wurde. Mit erfundenen Geschichten können manche der Kinder verschiedene Bezugspersonen nicht ohne Geschick gegeneinander ausspielen.  Der Unterschied zwischen fremden und eigenen Sachen wird von vielen betroffenen Kindern nicht verstanden.

Den Eltern bleibt meist nichts anderes, als alltägliche Handlungen - etwa der Körperpflege - immer neu anzumahnen und  deren Ausführung sogar zu überwachen. Die Ritualisierung solcher Aufgaben gelingt nur mühsam. Sie ist aber unverzichtbar.

Kinder und Jugendliche mit FAS benötigen sehr klar vorgegebene Alltagsstrukturen und Verhaltensanweisungen. Denn: Klare Vorgaben und Strukturen werden von den Kindern und Jugendlichen mit FAS als sehr hilfreich erfahren und führen meist zu deutlichen Verbesserungen im Sozialverhalten.

Eine vorgegebene Alltagsstruktur mit ritualisierten Alltagsverrichtungen sollte überdauernd und ohne spontane Änderung gewährleistet werden. Die Kinder und Jugendlichen fühlen sich dann sicher und vor Überforderungen geschützt.

Dagegen reagieren sie auf Veränderungen des Alltagsablaufs und der Umgebung oft mit Unruhe – selbst wenn die Veränderung gut gemeint ist, etwa als Urlaubsreise oder Besuch. Unruhe und Angst vor dem unbekannten Ereignis lösen dann zuweilen auch Autoaggressionen aus.

Auch kann es sein, dass die Kinder nach einer Unterbrechung die für das Leben zu Hause gelernten Regeln vergessen haben.

Sehr häufig bleiben vorgegebene Strukturen und Betreuung auch im Jugend- und jungen Erwachsenenalter notwendig. Die Jugendlichen können ihren Tag nicht selbst strukturieren, Termine einhalten und Aufgaben ohne Anleitung ausführen.

 

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Eine gute Aufklärung ist unverzichtbar!

 

Häufig spielen sie mit jüngeren Kindern.

Oft ist der Umgang mit Geld eine große Hürde. Der Wert des erhaltenen (Taschen-) Geldes wird nicht verstanden, Haushalten gelingt nicht, meist ist die verfügbare Summe – gleich welcher Höhe – in kürzester Zeit ausgegeben. Noch die Jugendlichen mit FAS/FAE leben i. allg. sehr „in der Gegenwart“, denken kaum an die Zukunft, ihre Zukunftsvorstellungen sind dabei realitätsfern. Jugendliche mit FAS/FAE brauchen also in vielen Fällen weitergehende Betreuung, so z.B. in einer vollstationären Einrichtung der Behindertenhilfe.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen erleben betreute Lebens- und Arbeitssituationen selbst als entlastend, entsprechende Maßnahmen sollten ihnen nicht vorenthalten werden.

Unverzichtbar ist schließlich eine gute Aufklärung all derer, die mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen befasst sind (ErzieherInnen, LehrerInnen, MitarbeiterInnen von einbezogenen Ämtern). Sie müssen um die Grenzen wissen, die FAS und FAE der kognitiven und emotionalen Entwicklung setzen. Aufklärung kann helfen, Vorwürfen und Schuldgefühlen, denen die Kinder und ihre Eltern oft ausgesetzt sind, zu begegnen.

Nicht selten müssen ja die betroffenen Kinder und Jugendlichen hören, sie seien nur `frech´ oder `faul´, und den Eltern wird manchmal vorgehalten, die Kinder nicht richtig zu erziehen.

Dr. Reinhold Feldmann,

 

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Stand: 15.09.12

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