Alkohol

Alkohol ist ein vortreffliches Lösungsmittel.

Er löst Bankkonten, Familien und Gehirnzellen auf.

Es löst nur keine Probleme

 

Inhalt:

Info über Alkohol

Alkoholabbau in der Leber

Wir reagieren nicht alle gleich auf Alkohol

Geschlechtsunterschiede

Individuelle Unterschiede

Alkoholabbau und schädigende Wirkung während der Schwangerschaft

Info über Alkohol

Alkohol ist eine psychoaktive Substanz, die in Vorgänge des Gehirns eingreifen kann und damit seelische Abläufe und das Bewusstsein verändert.

Er wirkt auf Neurotransmittersysteme, Rezeptorproteine und Zellmembranen ein und beeinflusst damit sensorische Funktionen und intellektuelle Leistungen.

Er wirkt als Mitosegift, d.h. er stört den normalen Verlauf der Zellteilung und ist somit wachstumshemmend in Bezug auf Organe, Gewebe und Körpergröße.

Die Wirkungsweise auf das Gehirn ist noch nicht restlos erforscht.  siehe auch...

Alkohol wird über die Schleimhaut des Verdauungstraktes ins Blut aufgenommen, wobei die Aufnahmegeschwindigkeit im Dünndarm größer als im Magen ist. Hier wird die Aufnahmegeschwindigkeit zusätzlich durch die verzehrten Nahrungsmittel beeinflusst. Über das Blut wird der Alkohol im gesamten Körper bis in die Körperwasser der Gewebe verteilt. Etwa 30-60 Minuten nach der Alkoholaufnahme wird die höchste Blutalkoholkonzentration erreicht. 2-5% des Alkohols werden über Atemluft, Schweiss und Urin ausgeschieden, während der Hauptabbau über die Leber erfolgt. Abhängig von verschiedenen individuellen Faktoren beträgt die Abbauzeit beim Menschen etwa 0,1-0,2 Promille stündlich.

Über das Blut gelangt der Alkohol ins Gehirn, wo er die Informationsübertragung der Nervenzellen beeinflusst, indem er bei einer geringen Dosierung stimulierend, bei mittleren und höheren Dosierungen jedoch hemmend wirkt. Abhängig von der Dosis wird hierbei der Neurotransmitter Dopamin freigesetzt, dem man - ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln wie Heroin, Nikotin oder Kokain - die "belohnende" Wirkung des Alkohols zuschreibt. Bei langfristig erhöhtem Alkoholkonsum verändern sich bestimmte Rezeptoren hinsichtlich ihrer Anzahl und ihrer Wirkungsweise. Hierdurch entstehen bei einem abrupten Absetzen der Substanz massive Fehlregulationen, auf die beispielsweise die auftretenden Entzugserscheinungen zurückzuführen sind.

Einmal aufgenommen, hat der Alkohol nun die Eigenschaft, das Wachstum und die Entwicklung des Kindes direkt zu beeinflussen. Veränderungen durch Alkohol in die Funktionsweise der Wachstumsfaktoren und anderer bekannter chemischer Botenstoffe, die wichtig für die Entwicklung des Kindes sind, sind reichlich untersucht und demonstriert worden.

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Alkoholabbau in der Leber

Alkohol wird in der Leber in zwei Phasen mit Hilfe von Enzymen abgebaut. In einer ersten Phase wird der Alkohol durch das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) in Azetaldehyd abgebaut.

Azetaldehyd ist sehr giftig und für Schädigungen durch Alkoholmissbrauch im ganzen Körper verantwortlich. Es greift die Zellmembranen an und verursacht zudem indirekte Schäden, indem es hemmend auf Enzymsysteme wirkt.

In einer zweiten Phase erfolgt der Abbau von Azetaldehyd in Azetat (Essigsäure) mit Hilfe des Enzyms Aldehyddehydrogenase (ALDH). Azetat wird anschliessend in Azetyl-Koenzym A umgewandelt, das Ausgangsstoff für den Zitratzyklus, den Fettsäurezyklus und die Cholesterolsynthese ist.

Die Fettsäuresynthese wird durch Azetyl-Koenzym A gesteigert, was zur Anhäufung von Fettsäuren in der Leber und bei übermässigem Alkoholkonsum zu einer Fettleber führen kann.

Alkoholabbau bei übermässigem Alkoholkonsum Nach übermässigem Alkoholkonsum wird beim Abbau von Alkohol in Azetaldehyd ein weiteres Enzym aktiviert, die Mischfunktionelle Oxidase (MEOS). Dieser Prozess beginnt bereits bei Blutalkoholkonzentrationen von 0,5‰.

Die MEOS kann bis zu einem Viertel des Alkohols abbauen. Es wird angenommen, dass die MEOS für die Gewöhnung an Alkohol verantwortlich ist. Bei Personen, die regelmässig grosse Mengen trinken, steht mehr von dem Enzym zur Verfügung. Der Alkohol wird dadurch schneller in Azetaldehyd abgebaut, und es braucht mehr Alkohol, um eine berauschende Wirkung zu erzeugen. Diese Gewöhnung hat aber keinen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Der Körper reagiert mit der Produktion von zusätzlicher MEOS auf eine Ausnahmesituation und versucht, die berauschende Wirkung des Alkohols zu verringern. Das dabei entstehende Azetaldehyd wird jedoch nicht schneller abgebaut, seine Giftwirkung vermindert sich nicht. Eine Gewöhnung an Alkohol bedeutet damit nicht, dass Alkohol für den Körper weniger giftig wird. 

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Wir reagieren nicht alle gleich auf Alkohol!

Geschlechtsunterschiede

Frauen vertragen Alkohol in der Regel weniger gut als Männer. Das heisst: Die gleiche Menge Alkohol ist für Frauen schädlicher als für Männer. Dafür gibt es zwei Gründe:

• Frauen haben im Verhältnis zum Körpergewicht durchschnittlich mehr Körperfett und weniger Körperwasser. Da sich Alkohol in Wasser besser löst als in Fett, ist nach dem Konsum gleicher Mengen die Alkoholkonzentration im Blut bei Frauen in der Regel höher als bei Männern mit gleichem Körpergewicht.

• Frauen verfügen über geringere Mengen des alkoholabbauenden Enzyms ADH. Dies kann ein weiterer Grund für eine höhere Blutalkoholkonzentration sein. Altersunterschiede

Wirkungen und Risiken des Alkoholkonsums hängen auch vom Alter ab. Jugendliche vertragen Alkohol weniger gut als Erwachsene und sind zudem seinen schädlichen Einflüssen stärker ausgesetzt. Jugendliche sind in der Regel leichter als Erwachsene. Der Alkohol verteilt sich damit auf eine kleinere Menge Körperwasser, die Blutalkoholkonzentration ist höher. Auch bei Jugendlichen kommen zusätzlich geschlechtsspezifische Unterschiede hinzu.

Die Enzyme, die den Alkohol in der Leber abbauen, sind bei Jugendlichen in geringerer Menge vorhanden als bei Erwachsenen. Es ist jedoch schwierig, allgemeine Aussagen über die Abbaugeschwindigkeit bei Jugendlichen zu machen, da diese vom Entwicklungsstand abhängig ist. Alkoholkonsum im Jugendalter kann körperliche Entwicklungsprozesse wie das Knochenwachstum beeinträchtigen. Der chronische oder akute Alkoholkonsum kann dabei die Konzentration des Wachstumshormons, das für die Knochen- und Muskelentwicklung wichtig ist, senken. Unter Umständen kann er auch die Körpergrösse beeinflussen. Neuere Erkenntnisse der Neurowissenschaft und Kinderpsychiatrie weisen darauf hin, dass die Gehirnentwicklung erst nach dem 20. Lebensjahr vollständig abgeschlossen ist. Dies ist vermutlich ein Grund dafür, dass das Gehirn von Jugendlichen für alkoholbedingte Schäden anfälliger ist. In Untersuchungen konnten Effekte von Alkohol auf das Gehirn im Bereich der Lernfähigkeit und der Entscheidungsfindung nachgewiesen werden. Den Jugendlichen fehlt meist die Erfahrung, wie viel Alkohol sie vertragen. Wenn sie sich betrinken, verlieren sie die Kontrolle über den Konsum und es kann zu gefährlichen Alkoholvergiftungen kommen. Je jünger Jugendliche mit dem Konsum von Alkohol beginnen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, später eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln.

Jugendliche müssen zahlreiche Entwicklungsaufgaben bewältigen. Der Abschluss einer Ausbildung und die Berufswahl sind für das weitere Leben sehr wichtig. Übermässiger Alkoholkonsum kann dazu führen, dass solche Entwicklungsaufgaben vernachlässigt werden.

Ältere Erwachsene vertragen Alkohol ebenfalls weniger gut, da der Anteil Körperwasser pro Kilogramm Körpergewicht mit dem Alter wieder abnimmt. Der Körper braucht im Alter auch länger für den Abbau von Alkohol.

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Individuelle Unterschiede

Es gibt individuelle, genetisch bedingte Unterschiede bei den am Alkoholabbau beteiligten Enzymsystemen. Ein atypisches Enzymsystem tritt bei Asiaten häufig, bei anderen Ethnien vereinzelt auf. Bei Menschen mit einem solchen Enzymsystem reagiert der Körper auf den Konsum von Alkohol sehr heftig: Die Enzyme bauen den Alkohol entweder sehr schnell oder das Abbauprodukt Azetaldehyd sehr langsam ab. Beides bewirkt eine starke Ansammlung des giftigen Azetaldehyds. Der Körper reagiert darauf mit Erweiterung der Hautgefässe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit, Herzklopfen und erhöhter Herzfrequenz. Diese Reaktion wird Flush- Syndrom genannt (to flush = erglühen, erröten).

Auch Medikamente und Krankheiten können die Wirkung von Alkohol beeinflussen. Medikamente können zum Beispiel seinen Abbau beeinträchtigen, seine Wirkung verstärken, überdecken oder andere unvorhersehbare Wirkungen auslösen. Umgekehrt kann Alkohol auch die Wirkung und den Abbau von Medikamenten beeinträchtigen. Personen, die Medikamente einnehmen, sollten deshalb auf den Alkoholkonsum verzichten oder den Alkoholkonsum mit dem Arzt/der Ärztin besprechen. Wie oben bereits erwähnt, hängt die Blutalkoholkonzentration von der Menge des Körperwassers ab. Personen mit höherem Gewicht haben in der Regel auch mehr Körperwasser und damit bei der gleichen Menge konsumierten Alkohols eine geringere Blutalkoholkonzentration.

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Alkoholabbau und schädigende Wirkung während der Schwangerschaft

Wenn der Fetus Alkohol ausgesetzt wird, sind für die Entwicklung der Embryopathie verschiedene pathogene Mechanismen wirksam:

Alkohol wirkt missbildend (teratogen) durch Störung der Organbildung und Wachstumsstörungen der Organe, vorwiegend durch Hemmungsmissbildungen in den ersten Schwangerschaftsmonaten. Betroffen sein können alle Organsysteme. Die missbildende Wirkung von Äthanol wird über eine Störung der Zelldifferenzierung vermittelt und führt insbesondere im neuronalen Gewebe (Nervengewebe) zu einer Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) mit der Folge mentaler Retardierung.

Alkohol wirkt als Zellteilungsgift und wachstumshemmend im Sinne einer unvollkommenen Ausbildung von Organen und eines unterdurchschnittlichen Größenwachstums von Organen und Geweben.  Vor- und nach der Geburt entsteht daraus eine Kleinköpfigkeit, Untergewicht und Minderwuchs.

Alkohol wirkt als neurotoxische Substanz an den Neuroblasten, der Dendritenstruktur und den dendritischen Spine. Bei höherem Schweregrad ist die Rückenmarksbildung mangelhaft, die Synapsen sind in Zahl und Struktur vermindert. Die Ausreifung ist verzögert und die Neurotransmitter sind in Biochemie und Verteilung verändert. Durch Alkohol kommt es zu einer Neurodegeneration. Diese erklärt u.a. die geringere Hirnmasse bzw. Mikrozephalie bei Kindern mit FAS und die neurologischen Verhaltensauffälligkeiten.

Acetaldehy ist der primäre Metabolit des Äthanols. Acetaldehyd ist fetotoxisch und wird auch beim Erwachsenen für eine Reihe von Schädigungen verantwortlich gemacht, die nach der Einnahme von Alkohol auftreten können. [Quelle: Alkohol in der Schwangerschaft, BZGA]

 

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