Entdeckung von FAS

Alkohol hat schon in allen Zeiten Kinder geschädigt.

Die Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und

geschädigten Kindern wurden aber lange Zeit nicht erkannt.

 

Gin Epidemie

Zur Zeit der „Gin-Epidemie“ in England (1720-1750) ergaben sich Hinweise auf sichtliche Schädigungen bei Kindern, deren Mütter trunksüchtig waren. William Hogarth erstellte 1751 einen Kupferstich, der die Ausmaße der Gin-Epidemie darstellte. Die Regierung erleichterte das Destillieren, so dass Gin sehr billig,  reichlich und für alle sozialen Schichten erhältlich auf den Markt kam und geradezu eine Suchtkrise bewirkte. Sein Bild "Gin-Lane" trug anschließend zu der Verabschiedung des Gesetzes bei, das zum Ende der "Gin-Epidemie" führte.

Dass Alkohol schädigt, hat man also gewusst, aber wieder vergessen.  

 

Sullivan

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Alkoholembryopathie von englischen Ärzten wissenschaftlich beschrieben. Im Jahr 1899 fand William Sullivan, der in einem Liverpooler Gefängnis als Arzt tätig war, mittels seiner Untersuchungen heraus, dass mit Zunahme der Dauer und Intensität des Alkoholgenusses der werdenden Mutter, sich die Lebensfähigkeit des Ungeborenen minimiert. Zudem konnte W. Sullivan nachweisen, dass alkoholabhängige Frauen, die zuvor Totgeburten oder Geburten geschädigter Kinder hatten, durch erzwungene Abstinenz im Gefängnis durchaus gesunde Babys zur Welt bringen konnten (vgl. Spohr, in: Steiner, 1990,S. 32). Eindeutig weist er damit auf die unmittelbar giftige Auswirkung des Alkohols auf den Embryo hin.   

 

Lemoine

Die Symptome alkoholgeschädigter Kinder wurden 1967 von Lemoine zum ersten mal festgehalten und dokumentiert.  Aber nur regional verbreitet.

 

Smith und Jones

Als  fetales Alkoholsyndrom diagnostizierte und bezeichnete es 1973 David Smith und seine Mitarbeiter. Im Rahmen einer Dysmorphologie-Studie in Seattle (USA) wurden viele Kinder mit unklaren Entwicklungsstörungen untersucht und der Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft entdeckt.  David Smith und Ken Jones gaben dieser Krankheit den Namen: Fetales Alkoholsyndrom. Dies ist insofern bemerkenswert, als normalerweise die Syndrome nach den Entdeckern benannt werden. Smith und Jones waren sich aber darin einig, dass diese Entdeckung zu wichtig war und auch beim Namen genannt werden sollte.

 

Forschung in Deutschland 

In der Folgezeit forschten deutsche Ärzte intensiv zum Thema FAS: Professor Dr. med. F. Majewski in Düsseldorf, Professor Dr. med. H. Löser in Münster und Professor Dr. med. H.-L. Spohr, sowie Professor Dr. med. Steinhausen in Berlin. Ihnen ist es vor allem zu verdanken, dass deutschsprachige Literatur erhältlich ist.

Als die Ärzte nun FAS diagnostizieren konnten erwarteten sie  eine biologische Nachheilform oder eine Nachreifung, da das auffällige Gesicht (Dysmorphie) der Kinder häufig weniger ausgeprägt war, je älter sie wurden. 

Allerdings wurde im Laufe von Langzeitstudien bei den Kindern keine Besserung der mentalen oder psychischen Probleme gefunden. Die Psychologin Ann Streissguth hat Langzeitstudien mit betroffenen Kindern durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass die Probleme bleiben und sich mit der Zeit durch Sekundärfolgen verstärken.

 

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