Die Geschichte von Jodee Kulp und ihrer Tochter Liz begann, als Jodee sich darüber im Klaren war, dass ihre Kinderlosigkeit sie sehr verletzte. Sie betete zu Gott und legte den Wunsch, ein Kind zu haben, in andere Hände. 12 Stunden später erhielt sie einen Anruf:

  "Frau Kulp, wir haben ein viereinhalb Monate altes, sterbendes Mädchen. Wir brauchen eine geeignete Pflegefamilie, die bereit ist, eine höchst riskante Adoption zu erwägen. Wenn Sie interessiert sind, müssten Sie Adoptionsunterlagen ausfüllen."

   

 Jodee erzählt:

  "12 Stunden nach meinem ersten aufrichtigen Gebet fing mein neues Leben an. Liz würde bald zu unserer Familie stoßen. Das Leben würde nie mehr so sein wie vorher. Wir hatten nie zuvor Anträge zur Adoption ausgefüllt. Und doch würden wir ein Kind bekommen: ein Baby, ein sterbendes Mädchen. Wer würde nach 10 Jahre des langen Wartens ‚nein’ sagen? Ich würde bald mein eigenes Kind in den Armen halten können. Ich beschloss, dass die Tür zur Elternschaft weit aufgestoßen worden war. Gott hatte in Seiner herrlichen Art und Weise mein Gebet erhört und alles fühlte sich magisch an, wie dies bei Adoptionen und Säuglingen oft der Fall ist. 

  Zu der Zeit dachten mein Mann und ich, dass Liebe, Konsistenz und Stabilität alles ändern konnten.  Wir würden alles was wir hatten in dieses kleine besondere Wesen hineinstecken und alle  vorhandenen Schäden wieder gutmachen. Wir wussten nicht, wie falsch wir lagen. Wir würden es schnell herausfinden. Alle Liebe der Welt kann die Schäden, die der Alkohol im Gehirn und dem Körper eines Ungeborenen verursacht hat, nicht wieder gut machen. Erst 12 Jahre später würden wir die Diagnose „Fetale Alkohol Effekte (FAE)“ erhalten.

  Ungeborene, die Alkohol ausgesetzt werden, bekommen unwiderrufliche Gehirnschäden – ein 100% vermeidbares Erbe. Fetales Alkohol Syndrom/Effekte (FAS/FAE) kann/können nicht geheilt werden. Ein Kind „wächst nicht raus“. Für jede Person äußert es sich anders. Der Alkohol greift das winzige heranwachsende Kind mittels des Blutstroms zwischen Mutter und Kind an.  Er zerstört willkürlich viele Systeme im Gehirn und/oder dem Körper. Die Fehlbildungen sind bei vielen FAS/FAE Betroffenen unsichtbar und machen diese Behinderung noch unfassbarer für diejenigen, die täglich damit leben müssen. Die meisten von FAE Betroffenen schauen genauso aus wie jeder andere. Viele sind sehr hübsch und haben hohe IQs. Wissenschaftler haben noch keine „einheitliche“ Diagnose oder Behandlung für fetale Alkoholschädigung gefunden. Wir stehen erst am Anfang was die Aufklärung großer Massen betrifft. Es gibt noch viel zu tun. Liz und ich hoffen, dass dieses Buch „Ich werde mein Bestes geben: Leben mit Fetalem Alkohol Syndrom/Fetalen Alkohol Effekten“ dazu beitragen kann.

   

 

"Ich bin nicht wütend auf meine leibliche Mutter, weil sie trank als ich in ihrem Bauch war.

Sie wusste nicht, dass sie mir weh tat.  

       Ich bin adoptiert worden und meine Mutter starb, so dass niemand erfahren wird wann oder wie viel oder wie oft meine Mutter trank. Ich weiß nur, dass es sich auf mich ausgewirkt hat und ich muss damit leben."

 Liz Kulp

 

  Was für ein verzwicktes Netz ist es, in das wir uns begeben, wenn wir unsere Ignoranz beiseite schieben und in das Labyrinth von Alkohol und Schädigung des Ungeborenen eintauchen! Ich hatte wahrhaft geglaubt, dass ich den Alkoholmissbrauch hinter mich gelassen hatte, als ich erwachsen wurde. Doch rückblickend, zeigten mindestens 5 unserer Pflegekinder, Zeichen von fetalen Alkoholschädigungen. Und obwohl ich nur geringe Mengen Alkohol zu mir genommen habe in den letzten 25 Jahren, hätte es zumindest 5 Gelegenheiten gegeben, an denen ich ein Ungeborenes hätte schädigen können, wenn ich schwanger gewesen wäre. Wie Jesus zu den Männern sprach, die eine Frau wegen Ehebruchs steinigen wollten, „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Wir alle, ob wir Alkohol zusprechen oder nicht, würden unsere Steine fallen lassen müssen und davongehen. Genauso wie diese Männer es vor 2000 Jahren getan haben.

  Das öffentliche Wissen um Alkoholschädigungen während der Schwangerschaft ist sehr begrenzt. Es wird allgemein angenommen, dass FAS/FAE nur Kinder armer, ungebildeter Frauen betrifft. Aber in der heutigen westlichen Gesellschaft sind Mütter mit höherem Einkommen, einer akademischen Ausbildung und einer Karriere am meisten gefährdet. Nicht nur Alkoholikerinnen gebären alkoholgeschädigte Kinder. Ein einziges Trinkgelage ist schädlich. Die Zellen, die an dem Tag gebildet werden, werden beschädigt. So wie es verschiedene Arten von Trinkern gibt, gibt es unterschiedliche Arten der physischen und neurologischen Schädigung der Zellen durch Alkohol in Ungeborenen. Für diese Kinder gibt es kein zurück mehr und keine Löschtaste – der Schaden ist angerichtet .

  Dies kann man sich vorstellen,  wenn man versteht dass ein Schnaps, ein Bier, eine Weinschorle und ein kleines Glass Wein einen ähnlichen Alkoholgehalt haben. Und dieser Alkohol ist 7fach flüchtiger im Körper eines Ungeborenen als in dem eines Erwachsenen. Was als Entspannung für die Mutter beginnt, überflutet das Kind. Es wird nie wieder das Leben genießen können, wie es ihm bei der Zeugung gegeben wurde.

  Das Leben für viele Familien mit FAS/FAE Kindern wird zu einem komplexen Irrgarten aus Missverständnissen, Isolation und rund um die Uhr Betreuung mit wenig oder gar keiner Entlastung. Gute Erziehungsmethoden, eine stabile und strukturierte Umgebung, eine frühe Diagnose, eine aufgeklärte Öffentlichkeit und intensive und angemessene Interventionen können einen enormen Unterschied für die Prognose des Kindes darstellen. Lassen Sie Liz und mich, Sie auf unsere Reise in die Welt von FAS/FAE  mitnehmen.

 

/2005/www.faskinder.de/// Jodee Kulp