Zur Ruhe kommen

Kinderzimmer

- Spielsachen

Häufig erleben Eltern mit alkoholgeschädigten Kindern, dass sie keinen normalen Schlafrhythmus haben. Oft wandern die Kinder durchs Haus oder 'beschäftigen' sich in ihrem Zimmer allein. Das kann mitunter sehr gefährlich sein, da die Kinder Gefahren schlecht einschätzen können.

Spielsachen werden im Zimmer verstreut, zerstört, zerbissen, es wird gezündelt, gemalt. Betten und andere Möbel zerlegt.  Ich habe mich einmal umgehört, welche Erfahrungen Eltern damit gemacht haben. Wenn Sie ähnliches erlebt haben und Abhilfe schaffen konnten, würde ich diese Seite gern weiter ergänzen.

Rauchmelder installieren! Ein Rauchmelder ist in einem Haus ein wichtiges Utensil und dient der Sicherheit der ganzen Familie. Bei Familien mit Kindern sollte mindestens einer angebracht werden. Diese Geräte sind heutzutage nicht mehr so teuer!

 

Ich brauche Rat und Hilfe!

ich bin total am Boden. Mein Junge hat in seinem Zimmer ja schon fast kein Spielzeug mehr. Er schläft abends ja nicht ein, steht ständig  auf etc. ....

Er hatte nun schon keine Stifte mehr im Zimmer, jedoch hat er sich wohl welche organisiert und alles klein gespitzt. Unter dem Bett sieht es aus wie......dann hat er bei allen Schleichtieren die er besitzt die Füße abgeschnitten, gekaut, oder sonst wie abgetrennt, selbst die Playmobilfiguren sind kaputt und beinlos bei den Tieren, ich weiß nicht mal wie und wann der das immer fertig bringt, steht der nachts auf?

Bitte was kann ich noch in seinem Zimmer lassen? Ich muss ja alles rausräumen somit bleiben dann noch Bausteine = und die Kugelbahn im Zimmer?

Ist das nicht etwas hart, einem Kind so gut wie null Spielzeug ins
Zimmer zu stellen?
Aus einem Buch hat er Seiten zerrissen, gekaut und an die wand gespuckt.

Was soll ich nur machen?

Ines

 

Diane Malbin eine erfahrene Sozialarbeiterin und FAS-Beraterin schreibt in ihrem Buch:

  • Streichen Sie die Wände mit sanftem Blau oder Beige.

  • Entfernen Sie aus dem Raum alle Designs oder Muster, außerdem auch bewegliche Dinge wie Vorhänge und Mobiles.

  • Entfernen Sie jegliches Spielzeug.

  • Lassen Sie sie nie im Raum.

  • Es sollte auch kein Aquarium oder andere Dinge, welche ein Geräusche macht - sollten im Raum stehen, keine Muster auf der Bettdecke oder

  • Das Beste ist ein leerer Raum, welcher nur mit dem Nötigsten versehen ist.

 

E-mail von Barbara Neafcy, USA:

Auch wenn ein Kind mit FASD mit 10 Jahre alt ist, ist es möglicherweise weit entfernt vom emotionalen Reifegrad eines 10-jährigen gesunden Kindes.

Er braucht unter Umständen jeden Abend eine Art Routine oder Ritual, dass ihn beruhigt und in einen ruhigeren Zustand bringt, um zu schlafen.  Wenn man keine Schlaftabletten bekommt oder geben möchte, so wäre eine Alternative, es mit Melatonin (1 mg/Dosis) zu versuchen.

Warnhinweis: Keinerlei Medikamente auf eigene Faust verabreichten! Bitte auf jeden Fall zur Beratung einen Kinderarzt aufsuchen!

Das Schlafzimmer mag eine stimulierende Umgebung für das Kind sein. Am Tag, mit normalem Licht sehen die Spielsachen vielleicht ganz nett aus, aber er hat vielleicht nicht so nette Eindrücke, wenn er sie im Dunkeln sieht. Manches mag sehr störend wirken oder wie sehr unfreundliche Kreaturen, die er nicht mit seinem Spielzeug in Verbindung bringen kann.

Es mag durchaus sein, dass geschlossene Spielzeugkisten anstelle von offenen Regalen alles ist, was verändert werden muss. Wenn das Kind sich allein im Dunkeln sehr unwohl fühlt, hilft unter Umständen vielleicht eine Kuschelzeit mit Mama oder Papa?

"Just some thoughts.  I hope she can resolve her son's issue so they all can get sleep!  Bless their hearts!"

Barbara Neafcy

 

E-mail von Maja:

Mir ist gerade eingefallen , was ich vor Jahren mal gemacht habe, als ich auch bei meiner Tochter so verzweifelt war, weil sie ( als 10-jährige ) alles, aber auch alles zerlegte und zerstörte.
Wir haben damals ihr Zimmer mit Kiefernholzpaneelen verkleidet, um das Abreißen der Tapeten zu verhindern. Das war eine gute Idee. Spätere Malereien , die sich wegen der eingezogenen Filzstifte in Grenzen hielten, konnte man halbjährlich abschmirgeln ( Kind helfen 'lassen' ), notfalls eine Wand bunt beizen .  

Wir haben dann nur ein Bett und einen Schrank ( abschließbar ) in das Zimmer gestellt, dazu   eine  Schreibplatte (bunte Arbeitsplatte mit bunten Beinen) und einen Sitzball. Dekorative, bunte Deckenstrahler ( unerreichbar ) rundeten die Grundausstattung ab. Als Spielzeug gaben wir Großbausteine in den Raum , ein Trampolin und unverwüstliches Holzspielzeug, (Kleinkind), auch mal ein Duplo- Puppenhaus ohne Textile Elemente.

Wenige Stofftiere ( 3-5 ) , die sofort ( aus dem vorhandenen Bestand)  ausgetauscht und entsorgt  wurden , sobald sie kaputtgemacht , aufgerissen wurden .  Es wurde viiiel besser , was den Raum anbelangte.

Maja

 

E-mail von Patricia, USA

Ich finde, dass es Wunder wirkt, wenn ich meinen 10 Jahre alten Sohn, ein reines Energiebündel in ein warmes  Lavendelschaumbad hüpfen lasse. Ich lasse ihn für ca. 20-30 Minuten drin mit 1 - 3 Booten und - Voilá- am Ende habe ich ein sauberes, entspanntes, ruhiges Kind!. Wir spielen auch Musik vom Flur aus zur Bettzeit. Ich probierte Klassik, Liebeslieder und Entspannungsmusik - (meine ist eigentlich zu kurz - aber bei weitem die erfolgreichste) wir haben eine CD mit Massagemusik. Sie beruhigt, ist fast hypnotisch und dauert ca. 60 Minuten.  Wenn die Musik kürzer ist, stehen meine Kinder an meiner Tür und wollten es wieder anmachen. Ich denke, eine CD mit Yoga-Musik würde auch gut funktionieren. Das habe ich noch nicht ausprobiert.

Maybe this would help.
Patricia, PA in the USA

 

E-mail von Gisela

Auch wir befinden uns ständig auf der Suche nach unkaputtbaren Spielzeugen. Unsere Kinderzimmer sind sehr spartanisch eingerichtet, weniger Reize im Kinderzimmer bringen häufig mehr. Die Einrichtung beschränkt sich auf das notwendigste: Bett, Schrank, Schreibtisch plus eine Sorte Spielzeug, das immer wieder ausgetauscht wird, damit es nicht zu langweilig ist. Stifte sind absolut tabu im Schlafbereich, da hier auch bei Langeweile angespitzt wird oder die Wände das Bett usw. neu farbenfroh gestaltet wird, das passiert auch in der Schule, wenn der Unterricht nicht mehr interessant ist.

Was mich auch immer wieder verwundert ist auch die Gleichgültigkeit unsere Kinder gegenüber Dingen die sie sich lange gewünscht haben. M.l wünschte sich einen Walkman, da wurde er 11. Kaum hatte er diesen Walkman, hat er ihn gründlich mit Hammer und Schraubenzieher untersucht. Auf meine Frage womit er denn nun Musik hören möchte, meinte er: 'das wäre ihm doch egal.'

Oder: die beiden Mädchen wünschten sich Barbies zu Weihnachten, denen wurden erst mal die Haare geschnitten, dann fehlten die Arme und Beine und der Kopf, auch das ist völlig egal. Wenn Freundinnen kommen, die dann mit ihnen und den Barbies spielen möchten, ist es nicht mehr egal und es sollen sofort neue her. Auch haben die Damen häufig die Einrichtung in ihrem Zimmer total geschrottet, jährlich ein Bett und einen Schrank das ist normal. Tapeten sind auch nur zum Entfernen an den Wänden.

Meiner Meinung nach, liegt dieses Verhalten der Kinder auch darin begründet, das sie wenig mit sich selbst anfangen können, ihnen die Kreativität und Phantasie zum Spielen fehlt. Die Mädchen können nur lange eingeübtes Spiel nachspielen, wenn die eine alleine spielen soll, baut sie immer eine Höhle, das haben wir mit ihr immer gespielt um den Raum etwas einzugrenzen.

Liebe Grüße Gisela

 

Email von Sonja

Wir hatten dieses Problem vor drei Jahren extrem geballt und waren total fertig, da praktisch alle Kinder betroffen waren. Unser
schwerstbehindertes Kind steckte zu dem Zeitpunkt alles in den Mund und zerbiss es. Kaum zu glauben, selbst Duplo Steine kann man zerkauen, wie einen Kaugummi. Holzspielzeug wurde richtig gefährlich für ihn, da er die Splitter dann in den Mund bekam. Wir konnten ihm praktisch nichts mehr zum spielen geben. Tja und bei dem Spielzeug aus den diversen Spielzeugkatalogen für behinderte Kinder, wird man ja arm. Sobald irgendwo der Begriff "Therapie" oder "Reha" auftaucht,  meinen die Firmen gleich mindestens eine Null anhängen zu dürfen. Ich bin dann kurzerhand in eine Tierhandlung gegangen.......bitte nicht lachen........ aber da gibt es wirkliches schönes Spielzeug, farbenfroh und lebensmittelecht und beißfest und zu humanen Preisen....... und das es eigentlich für Hunde gedacht ist, steht ja nicht dran (sobald man die Verpackung entsorgt hat ;-)

Unsere damals 7jährige Tochter mit FAS, zerlegte ihr Zimmer :
zerschnitt Kabel, Bettwäsche, zerstörte ihre Spielsachen und
Schulsachen, riss die Tapeten ab, bombadierte die Deckenlampe solange bis sie herunter kam usw. es sah aus bei ihr wie nach einem  Bombenangriff. Unsere damals 12jährige zerstörte im Stillen, aber immer war irgend etwas kaputt. Und unser 3jähriger leiblicher Sohn, hatte ebenfalls Wahrnehmungsstörungen aufgrund von Sauerstoffmangel unter der Geburt. Sein "spielen" sah so aus, dass er ins Kinderzimmer stürzte und erstmal alle Spielzeugkisten ausschüttete, dann die Regale leer fegte, Bilder und Deko von der Wand holte und wie wild im Kreis durch das Chaos lief. Und das passierte alles innerhalb von fünf Minuten.

Sein kleiner Bruder (2j.) fand das toll und machte es natürlich nach.
Wir dachten damals, wir drehen durch und wussten uns überhaupt keinen Rat mehr.

Zu dem Zeitpunkt stand bei mir eine Fortbildung zur Verlängerung meines Übungsleiterausweises an. Und ich habe einen Kursus für "Psychomotorik" belegt. Das war das beste was uns passieren konnte !!!
An diesem Wochenende lernte ich mehr über Wahrnehmungs-störungen, als in den Jahren vorher.
Am einprägsamsten fand ich die Erklärung in der ersten Stunde.

Die Leiterin meinte, stellt euch vor:

  • ihr würdet in einer 10 cm dicken Schaumstoffschicht eingewickelt sein.

  • Um euren Körper überhaupt spüren zu können, wie fest müsst ihr euch stoßen?

  • Und alle Reize die von Außen kommen, nehmt ihr in der gleichen Intensität war.

 

Stellt euch vor:

  • ihr macht das Radio auf volle Lautstärke an

  • Licht blitzt in eure Augen

  • alle Spielsachen - also wirklich jedes Teil seht ihr zur gleichen Zeit

  •  und alles drängt sich auf und dann spricht euch noch jemand an und "nervt" mit irgendwelchen Wortfetzen......

  • und alles auf einmal,

gleich Laut, gleich Schrill, gleich Hell, gleich fordernd.......

ihr würdet auch durchdrehen !!!


Unter diesem Gesichtspunkt haben wir dann die Kinderzimmer und unser Haus unter die Lupe genommen. Und dann anschließend reizarm umgestaltet. Wir haben das meiste Spielzeug weggeräumt oder in geschlossenen Spielzeugkisten aufbewahrt oder vieles auch weggeschlossen und abgeschlossen, so dass die Kinder sich mehr auf sich selber konzentrieren konnten.

Als nächsten Schritt haben wir dafür gesorgt, dass die Kinder viel viel mehr Bewegung bekommen. So haben wir unter anderem zwei kleine Spielzeugschränke mit massiven Brettern miteinander verschraubt, in die Mitte des Zimmers gestellt und ein langes massives Brett als Rutsche dran geschraubt. So konnten sie rauf und runter laufen, rennen, trampeln, drum herum und unten durchlaufen und krabbeln, von oben runterspringen und überall raufklettern und auch mal ganz normal rutschen.

Und dann haben wir Spielmaterialien genutzt die eigentlich keine sind und diese ganz gezielt eingesetzt. Zum Beispiel kann man mit
Zeitungspapier ganz toll spielen. Man kann es zerreißen, Krach
machen, zusammenknüddeln, eine Schneeballschlacht damit machen, sich darunter verstecken, die Knuddel in einen Bettbezug stecken und darauf herum springen usw. usw. usw.

Es macht unheimlich viel Spaß, die Kinder können sich austoben und Aggressionen abbauen, es "darf" kaputt gehen und kaputt gemacht werden und anschließend kann alles in die Papiertonne oder in den Kamin und ist entsorgt. Der Spuk ist vorbei und alles ist wieder sauber und ordentlich. Und die Kinder sind anschließend müde ;-)

Ganz tolle Tipps dazu findest du in einem super guten  Buch über Psychomotorik:

"Die spielen ja nur !?"
Hans Jürgen Beins/Simone Cox

Unsere Kinder sind nun mal anders und brauchen eine reizarme
Umgebung, sicheres Spielzeug, gezielte Reize und viel viel Bewegung  in einer sicheren Umgebung

Liebe Grüße  Sonja FeeMarry@aol.com

 

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