„Die Bedeutung emotionaler Sicherheit
für die Entwicklung des kindlichen Gehirns –
Auswirkungen emotionaler Verunsicherungen und
traumatischer Erfahrungen auf
die Hirnentwicklung“

 

Referent:
Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der
Georg-August-Universität Göttingen
  

Freitag, 15. November 2002

Stiftung zum Wohl des Pflegekindes, Holzminden

 

Zur Einführung berichtet Prof. Hüther von zwei positiven Beispielen:

1. Prof. Hüther erhielt einen Anruf aus der Schweiz von einem 55-jährigen Mann, der ihm folgendes erzählte: „Ich bin zur Welt gekommen, die Mutter konnte sich nicht kümmern, ich kam zu verschiedenen Verwandten und war in etlichen Heimen. Heute bin ich Leiter einer internationalen Anwaltskanzlei und sehr erfolgreich, wie erklären Sie mir das? Alle anderen Kinder, mit denen ich zusammen war, sind auf der Straße gelandet“.

Prof. Hüther ging mit dem Mann seine Kindheitserlebnisse durch, dieser Mann berichtete folgendes: „Ich hatte mit 8 oder 10 Jahren einen Lehrer der mich angenommen hat, er hat mir gezeigt, was ich und wer ich bin. Ich verdanke alles der Begegnung mit diesem Mann.“ 

Wichtig ist, dass wir die Kinder in ihrer Wahrhaftigkeit annehmen.  Dass wir sie nicht als zu formendes Objekt betrachten, sondern als Knospe, die sich formt und blühen will. 

2. Beitrag eines Hirnforschers vor einem Jahr in der Zeitschrift: „Lancet“:

"Ein kleines Mädchen mit Hirntumor musste operiert werden. Die Hälfte des Gehirns musste abgetragen werden. Nach 25 Jahren suchten die Ärzte nach diesem Mädchen, sie war mittlerweile eine junge Frau von 25 Jahren. Sie war bilingual aufgewachsen, konnte also zwei Sprachen sprechen, war verheiratet und inzwischen Mutter geworden. Die Ärzte glaubten nicht, dass es die gleiche Person war und ließ sie untersuchen. Die Röntgenaufnahmen bewiesen aber, dass sie nur ein halbes Gehirn besaß. Die andere Hälfte hat demzufolge alle anderen Funktionen übernommen. Vorraussetzung ist, dass man in die richtige Umgebung kommt."

 Prof. Hüther erklärt, dass man sich die Verbindungen der Nervenzellen untereinander als ein lineares Modell vorgestellt hatte, das heißt – die Verbindungen bleiben konstant erhalten. Ähnlich einem Auto – Ersatzteil A  passt an Stelle B – leiert irgendwann mal aus und wird defekt.

Tatsächlich aber  besitzen wir weit mehr, nämlich ein dynamisches Modell. Mit anderen Worten, unser Gehirn ist leistungs- und wandlungsfähig bis ins hohe Alter. 

„Je mehr Angst ein Mensch vor der Demenz hat, umso eher bekommt er sie.“

z.B. der Orientierungssinn   Es wurde an Londoner Taxifahrern ein Test durchgeführt.

Der Orientierungssinn ist im Hippocampus. Die Untersuchung ergab: Je länger ein Taxifahrer seinen Beruf ausübte, umso größer war der Hippocampus.

Die Ausübung bestimmter Tätigkeiten üben einen stabilisierenden Einfluss auf die Nervenverbindungen aus. Bei Nichtgebrauch findet eine Destabilisierung der Bindungen statt.

In der Embryonalentwicklung werden 1/3 mehr Nervenzellen angelegt, als man überhaupt braucht. Werden sie nicht gebraucht, werden sie später wieder abgebaut.

Nicht die Nervenzellen verändern sich, sondern die Beziehung untereinander. Wenn man bestimmte Beziehungsmuster immer wieder nutzt, dann entstehen enge Beziehungen unter den Nervenzellen es können sich auch die Kontakte untereinander vermehren oder bei Nichtnutzung destabilisieren – sich auflösen. Das geht bis in das hohe Alter. 

Wir Menschen brauchen Störungen, damit wir uns weiter entwickeln. Das ist ein Grundprinzip. 

Große Störungen wie z.B. der 11. September, die erschüttern die innere Ordnung. Nun entscheidet sich: Entweder man findet eine Lösung oder das System geht zugrunde. Man muss die innere Struktur so ordnen, dass man mit der Störung leben kann, dass man bestimmte Aufgaben bewältigen kann.

Partner, Freunde, Kollegen, Trennung, Tod, Umzug, Arbeitsverlust, das sind Störungen des emotionalen Gleichgewichtes. Die innere Ordnung ist gestört und das wirkt sich wiederum auf den Körper aus z.B. auf das Herz-Kreislauf-System, das Vegetative System, das Immunsystem. Deswegen spürt man das = Angst = Freude, weil dann  die emotionalen Zentren Botenstoffe ausschütten. Nur dann, wenn etwas passiert, werden diese Botenstoffe ausgeschüttet, sie signalisieren dem Nervensystem: jetzt müsst ihr etwas ändern = Trophische Reaktion.  

Das erklärt, warum wir alles, was wir mit einer emotionalen Regung erleben auch besser  im Gedächtnis behalten, das ist wie eingebrannt. Das ist der Unterschied zu dem sturen Auswendiglernen.

Erfahrungen muss man erlebt haben, die kann man nicht weiter erzählen.  

Prof. Hüther erzählte uns aus seinen Anfängen der Forschung, er hat an den molekularen Strukturen gearbeitet und suchte den Stoff , der das Lernen ausmacht. Er hat Studien durchgeführt an der amerikanischen Küchenschabe.

Ergebnis dieser Studie ist:  Das Gehirn ist nicht zum Auswendiglernen da, das Hirn ist dazu da, um Probleme zu lösen.(die Stelle mit dem Penis der Küchenschabe umgehe ich hier ein wenig – die hab ich nicht so ganz begriffen - oder nicht so ganz begreifen wollen :))

Es gibt Situationen, wo man Tage und Wochen in einer seelischen Belastungssituation lebt und eine Lösung sucht  ó das ist ein Trauma.   Eine lang anhaltende Erregung ó die Hormone bewirken eine hohe Erregung ó das führt dazu, dass bereits entstandene gefestigte Muster wieder aufgelöst werden.  ó das hat die Natur so vorgegeben, damit man neue Probleme lösen kann.

Kann dies Problem gelöst werden, dann ist es gut. Wird es nicht gelöst, dann passiert folgendes:

Der Hippocampus ó   er ist für ankommende Informationen zuständig. Diese werden dann in die entsprechenden Ordner und Schubladen gepackt, wo sie hingehören. Er verteilt die Dinge und stellt die Verbindungen her zu dem, was passt. Der Hippocampus läuft schnell heiß = hier sitzen viele Rezeptoren für das Kortison.  Bei schwerer Traumatisierung können ganze Ordner komplett gelöscht werden, sie gehen kaputt, nun wird die Reaktion des Menschen eine Stufe tiefer angesiedelt, es kommt zur so genannten Übersprungshandlung.

z.B.   Hühner werden unter Stress gehalten, in dem der Schatten eines Falken immer wieder über ihrem Gehege kreist. Sie können dem Problem nicht entkommen, sie können es nicht lösen, sie können aber auch nicht ständig diesem Stress ausgesetzt bleiben – also führt diese Stressreaktion zu einer Übersprunghandlung, indem die Hühner anfangen, nach Körnern zu picken, die eigentlich gar nicht da sind. Die Hühner picken, obwohl über ihnen diese Gefahr droht.

 

Angst und die Stressreaktion daraus können bewältigt werden durch:

 

„Man kann die furchtbarsten Situationen aushalten, wenn man glaubt, dass es einen Sinn hat, wenn man es annehmen kann.“

Die Tatsache, dass es so viele stressbedingte Erkrankungen gibt liegt an dem mangelnden Glauben in der heutigen Zeit.

Beispiel einer Angstsituation und die Änderung der dazu gehörigen Gefühle.
Beispiel: Fallschirmspringen.

Zunächst einmal habe ich Angst, die Angst ist übergroß und überdeckt alle anderen Gefühle.

Habe ich den Absprung mit Hilfe des Fallschirmes überlebt und springe sogleich wieder, dann wird das Angstgefühl kleiner. Anstelle des Angstgefühles tritt in größerem Ausmaß die Überraschung an deren Stelle, dann die Neugier und später dann die Lust an dieser Tätigkeit.

Je größer die Anfangsangst war, je stärker man festgestellt hat, dass man mit der eigenen Leistung etwas geschafft hat, umso größer ist das Lustgefühl.

Wichtig ist! Dass man nicht am Ende seiner Wünsche angekommen ist.  Die Chinesen machen in ihrer Lebensphilosophie den Weg zum Ziel. 

Es kommt darauf an, dass man beide Erfahrungen macht ó wenn man nur positive Erfahrungen macht, dann wird man zu hart, zu erfolgsgewohnt, unflexibel, ist man nur im roten, negativen Bereich der Erfahrungen, dann wird man zu weich. Wichtig ist eine gute Mischung von beidem, man kann beides erleben, dann bleibt man gesund. 

Vor der Geburt werden die Nervenzellen angelegt. Sie bilden Fortsätze aus, das wird genetisch gesteuert. Im Alter von ca. 6 Jahren sind die Ausbildungen der Fortsätze (vorstellbar als ‚Verbindungsmöglichkeiten’) so intensiv, das gibt es nur in diesem Alter. Jetzt muss der richtige Input kommen. Bei Anregungen werden nun Verbindungen geknüpft und je nach Gebrauch gefestigt. Alle anderen Fortsätze bilden sich zurück. Das heißt, dass ein 6-jähriges Kind in einem so genannten sensiblen Fenster ist.  Leitbilder und Ziele müssen in fortwährenden Erregungen stabilisiert werden – d.h. dass, was ich als Leitbild und Ziel vermitteln will bleibt erhalten, wenn ich es mit einem positiven Gefühlszustand koppele. 

Frontaler Cortex ó zuständig für: innere Haltung, Verantwortung, Empathie, Handlungsplanung, Folgenabschätzung.

Wenn zuviel auf uns hereinstürmt, dann kommt der frontale Cortex unter diesen Bedingungen in Erregung und somit in Stress ó er führt dann Bewegungsmuster aus, die im Grunde irrational sind z.B. Fußwippen. Man führt sinnlose Tätigkeiten aus. Wenn die richtige Lösung im weiteren Verlauf nicht gefunden wird kommt es zur Wut, zu Schreien, zu einem großen Durcheinander. Man blickt einfach nicht mehr durch und kann nicht mehr strukturiert denken. Dann kommt es zu untergeordneten Verhaltensmustern: als Beispiel: obwohl (oder gerade wegen)  man in Zeitdruck ist und zig andere wichtige Dinge zu erledigen hätte, fängt man an aufzuräumen. Bei Erwachsenen ist es nicht so schlimm, aber Kinder müssen stabilisiert werden. Kinder, die ständig überfordert sind reagieren kopflos, ein sinnhaftes Verschaltungsmuster kann sich nicht etablieren.

 

Kinder brauchen:

Soziale Beziehungen, Wahrnehmungsfähigkeit, Wissen/Erfahrung, Neugier Motorik um eine emotionale Sicherheit (Bindung) zu knüpfen.

Untersuchung mit Zimt: Werdende Mütter, die auch gerne Zimt aßen wurden aufgefordert, während der Schwangerschaft Zimt zu essen.  Das Neugeborene reagiert auf viele Reize und lässt sich mit den Dingen beruhigen, die es vor der Geburt (pränatal) schon erlebt hat und mit Sicherheit in Verbindung bring: Herzschlag der Mutter, Wärme, die Stimme der Mutter, Schaukeln. Das alles sind Dinge, mit denen man Säuglinge beruhigen kann. Hat eine Mutter in der Schwangerschaft Zimt gegessen, dann beruhigt sich der Säugling beim Geruch von Zimt.  

(Eigene Anmerkung, aus diesem Grunde ist auch Vanille in der Mutterersatzmilch, die Firmen wissen, dass in vielen Produkten – angefangen beim Pudding – viel Vanille verarbeitet wird. Bekommt das Baby Flaschenmilch mit Vanillegeschmack, dann kennt es den Geschmack schon und verlangt nach mehr)

Bindung entsteht nicht, weil jemand da ist. Bindung entsteht durch die eigene Erfahrung des Kindes, dass es Probleme gibt, die es nur mit der Person lösen kann, die sie umgibt.

Es gibt ein Areal im Hirn, dass sogenannte Urängste, Urinstinkte auslöst (neuronale Vernetzungen). Ohne zu wissen, welches Tier man vor sich hat – beim ersten Anblick einer Schlange oder Spinne, reagiert der Körper instinktgemäß mit Flucht. Diese Reaktionen können unterbrochen werden, wenn z.B. der Vater eines Kindes Umgang und Erfahrung mit Schlangen hat und das Kind sieht, dass keine Gefahr droht. 

Wird die Suche des Kindes nach Geborgenheit an die „Nur-dann-wenn..“ Bedingung geknüpft, dann entsteht eine bedürftige Kanalisation. Das Kind muss diese Bedingungen erfüllen, um Geborgenheit zu erfahren, das führt im Erwachsenenalter zu veränderten Verhaltensweisen:

Perfektionismus, Narzissmus, Altruismus, Konkurrenzorientiertheit. 

Beispiel: Babywettrennen, Schönheitskonkurrenz unter Kinder. Ein Kind, welches solche Dinge erlebte braucht in der Jugend den sog. Kick --- es lehnt sich dann z.B. aus dem Zugfenster, es muss herausragende Tätigkeiten durchführen.

Aus Angst, die keine Geborgenheit erfährt entsteht bei Vernachlässigung, es entsteht eine autonome Kanalisation:

 

Bei Missbrauch entsteht:

Das Gleiche erreicht man, indem man Kinder verwöhnt =  das ist auch eine Art der Vernachlässigung. Damit sichere Bindungen entstehen können, brauchen Kinder immer kleine Probleme an denen sie wachsen können. Wenn Eltern glauben, alle Probleme müssen von ihnen gelöst werden, das muss immer alles schön und harmonisch sein und die Eltern räumen die Probleme aus dem Weg. Wenn alle Bedürfnisse erfüllt werden, dann berauben die Eltern den Kindern der Möglichkeit von zwei Erfahrungen

  1. Konfliktlösung = sie entwickeln kein Selbstwertgefühl

  2. Sie werden daran gehindert zu lernen, dass es gut ist, dass es andere Menschen gibt, die ihnen helfen können bei Problemen.

Missbrauch von Vater und Mutter. Das sind Erfahrungen, die nicht zu verarbeiten sind. Alle Strategien, die uns helfen, mit schweren Problemen umzugehen scheitern. 

Das Kind lernt:

  1. dass es keinen Sinn macht, eigene Kompetenzen zu haben

  2. es lernt, das es keinen Schutz gibt

  3. Wenn es an Gott geglaubt hat, auch der hat versagt, die Orientierung bricht zusammen

 Das menschliche Hirn kann zurückfallen in eine primitive Strategie.

Es ist vielen Eltern oft nicht klar, was passiert, wenn sie sich trennen und auch noch übereinander schimpfen. Das Vertrauen in die Welt wird erschüttert. Große Probleme haben Eltern, wenn sie selbst noch nicht reif sind, das ist für die Kinder nicht gut, weil die Eltern unsicher sind. Verunsicherte Eltern können keine Kinder erziehen. Kinder haben ein drittes Auge, sie erkennen die Unsicherheit der Eltern. Kinder ziehen sich dann in ihre selbst gebastelte Welt zurück. 

Lösungsstrategien traumatisierter Kinder.

Angst lässt erstarren   = wenn es immer wieder zu einer Erstarrung kommt, ist das eine Bewältigungsstrategie = depressiv

Sterotypien,  Dissoziativ, Depersonalisation, Derealisation  =  diese Strategien erleichtern den Umgang mit dem Trauma. Man löst seine Identität auf, man leugnet, dass es eine äußere reale Welt gibt, wie ein Automatismus. Durch Kleinigkeiten ist man dann weg. (Das ist auch das Problem, wenn Kinder vor Gericht aussagen müssen – es fehlt ganz einfach das realistische Gefühl darin, so dass vielen Kindern nicht geglaubt wird, weil sie ohne Emotion erzählen) 

Automatisierte Strategie   - es kommt zu somatisierten Verhaltensweisen ó Selbstmanipulation, Anorexie, Medikamenten- Drogenmissbrauch, multipler Persönlichkeit und zu Selbstverletzendem Verhalten. 

Bei einer Borderline Patientin wurde der Cortisol-Spiegel im Nachturin über lange Zeit hinweg gemessen. Er blieb lange Zeit stabil bis er kontinuierlich anstieg. Die Patientin konnte den Emotionsdruck durch den hohen Cortisol-Spiegel nicht aushalten, verletzte sich selbst und erreichte dadurch eine Druckentlastung und der Cortisol-Spiegel sank wieder in den Normalbereich. Dies ging in Intervallen immer so weiter. 

Es steht außer Frage, dass das Problem der Angst ein Knotenpunkt ist, an dem die verschiedenen und wichtigen Fragen zusammentreffen, dessen Lösung zwangsläufig eine Lichtflut auf unsere ganze geistige Empfindung werfen würde   Siegmund Freud

Kinder dürfen nicht mit Angst aufwachsen, sie werden dadurch behindert, frei und kreativ zu werden.

Was kann ich tun bei einem Kind mit solchen Schädigungen? Macht es überhaupt einen Sinn? Wenn man nichts tut, macht man es nur schlimmer. 

(Pokémon hat keinerlei Realitätsbezug) Achten wir darauf, welche Sendungen wir den Kindern anbieten, welche Vorbilder gezeigt werden. Wenn wir den Kindern solche Figuren geben, berauben wir ihnen ein Vorbild.

Es ist heute unglaublich schwer als Eltern Kinder heute richtig zu erziehen. Es ist besser, wenn sich Eltern mit gleichgesinnten Familien zusammentun, um gemeinsam die Freizeit zu gestalten und alternativen aufzubauen. 

Frage: Ist das Fernsehen gut für das Hirn?

Gegenfrage von Prof. Hüther: „Wie hat ihr Kind anfangs auf TV reagiert?“  

„Anfangs wollte es mit der Maus reden. Jetzt ist das Kind vernünftiger geworden und macht das nicht mehr.“

Antwort. Prof. Hüther: „Dann haben Sie dem Kind den Glauben kaputt gemacht, dass es am Weltgeschehen mitwirken kann. Nun denkt das Kind, es käme auf  seine Mitwirkung nicht an. 

Selbstwirksamkeitskonzept

Jemand, der nicht das Gefühl hat, dass er selbstgestalterisch wirkt, der ist verloren.

 

Trauma in der Embryonalzeit

Studie in Dänemark über psychische Belastungen der Mutter 

Bei außerordentlichen psychischen Belastungen der Mutter während des 3.-4. Monats (Zeit der Gesichtsentwicklung) kam es durch Ausschüttung der Stressbotenstoffe zu morphogenetischen Fehlentwicklungen. 

Dauerstress der Mutter wirkt sich auch auf des Kind aus. Meist kann die Mutter durch den Stress keine Bindung zum Kind aufbauen. Das Kind kommt dann  in eine Welt, die bindungstechnisch nicht vorbereitet ist.

In der Zusammenarbeit mit Eltern ist es wichtig, zukunftsorientiert zu arbeiten. Es nutzt nichts, frühere Fehler zu brandmarken. Frühe Bindungsstörungen führen häufig zu Verhaltensstörungen z.B. ADHS. Durch intrauterine Einflüsse kommt es zu empfindlicheren Kindern – sie haben überstarke Erregungszustände. Dem Kind fehlen die Möglichkeiten, sich selbst zu beruhigen. Sind die Eltern verunsichert, kann das Kind keine eigene Kompetenz und Strategie aufbauen, dies führt zu ADHS. 

Bindungsabbrüche – Albträume:

Der Traum ist eine ganz besondere Fähigkeit von uns, mit Problemen  umzugehen. Tagsüber können wir die Empfindungen und Nöte zudecken. Das Problem will aber gelöst werden. Deshalb werden ab und zu die Bilder im Traum herausgeholt. Normalerweise sind wir durch den Verstand kontrolliert, nur im Traum werden aber Lösungen gefunden.

Wenn Kinder über die Traumerlebnisse reden können, ist schon sehr viel geholfen. Es ist nicht das Trauma sondern der Verlust des Glaubens, der eigenen Kompetenz, was so belastet, der Verlust  des Vertrauens in die uns unterstützenden Menschen. Diese Menschen lehnen Hilfen ab, obwohl sie sie so dringend nötig haben.

Bei der Arbeit mit traumatisierten Kindern wird man vielleicht nicht so viele Früchte ernten können,  wohl aber wenigstens Blätter. 

Wir müssen aufhören, die Kinder nach der funktionellen Verwertbarkeit zu erziehen, so groß die Belastung, mit einem traumatisierten Kind zu leben ist, es wäre furchtbar, wenn es keine Menschen mit Behinderungen mehr gäbe. Wir würden gar keine Gesundheit mehr zu schätzen wissen, würden nicht mehr zu schätzen wissen, wie es ist: zu sehen, zu hören, zu begreifen. Geben wir den Kindern eine Sprache, stellen wir unsere Ohren auf und hören wir diesen Kindern zu. Ich glaube, diese Kinder haben uns ganz viel zu erzählen.

Prof. Hüther

 

Zusammenfassender Bericht des Seminars: /2005/www.faskinder.de